Faire Arbeit Jetzt - Saisonarbeit: Erste Lohnuntergrenze greift

Saisonarbeit: Erste Lohnuntergrenze greift


© Rainer Sturm / www.pixelio.de
30.04.2015
Alle Jahre wieder beginnt im Frühjahr die Saisonarbeit. Das Motto der IG BAU dazu: „Faire Arbeit Jetzt!“. Den Auftakt macht spätestens ab der zweiten Aprilhälfte die Spargelernte. Kurz darauf freuen sich viele Menschen auf die aromatischen Erdbeeren vom Feld. Doch kaum jemand fragt nach den Entlohnungs- oder Arbeitsbedingungen der Erntehelfer.

Seit 1. Januar ist dank der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) zumindest die Entlohnung keine Frage mehr: Erstmals gibt es in der Bundesrepublik Deutschland einen Tarifvertrag zur Regelung der Mindestentgelte für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau (TV Mindestentgelt).

Das heißt: jeder Arbeitnehmer, ganz gleich welcher Nationalität, hat Anspruch auf das Mindestentgelt in Höhe von 7,40 Euro pro Stunde (West) und 7,20 Euro pro Stunde (Ost). Weniger geht nicht.

Auch Jugendliche unter 18 Jahren, wenn sie nicht gleichzeitig Schüler sind, und Langzeitarbeitslose haben ab der ersten Stunde der Beschäftigung einen Anspruch darauf. Das tarifliche Mindestentgelt weicht allerdings vom gesetzlichen Mindestlohn (8,50 Euro) ab. Es erhöht sich aber jährlich bis 2017 auf letztlich 9,10 Euro die Stunde bundesweit.

Damit wird Stück für Stück den Dumpinglöhnen der Kampf angesagt, auch wenn eine schnellere und einheitlichere Anpassung wünschenswert gewesen wäre. Aber: Tarifverhandlungen sind kein Wunschkonzert. Und nur mit vielen Gewerkschaftsmitgliedern lassen sich gute und bessere Ergebnisse erzielen. Deshalb: IG BAU-Mitglied werden!

Immer wieder stellt sich die Frage: Ist Akkordarbeit bei Saisontätigkeiten zulässig? Ja, Akkordarbeit ist zulässig. Allerdings muss gewährleistet sein, dass das Mindestentgelt für die geleisteten Arbeitsstunden erreicht wird. Diese Untergrenze schließt für den Arbeitnehmer das Risiko aus, aufgrund einer quantitativen Minderleistung einen Lohn zu erhalten, der das Mindestentgelt unterschreitet.

Auch geleistete Überstunden müssen mit dem Mindestentgelt entlohnt werden. Bezahlt der Arbeitgeber diese Stunden nicht, muss im Streitfall der Arbeitnehmer nachweisen, dass er die Überstunden tatsächlich geleistet und der Arbeitgeber diese angeordnet, gebilligt oder geduldet hat. Deshalb rät die IG BAU allen Saisonbeschäftigten:
> die Arbeitszeit selbst dokumentieren,
> Lohnabrechnungen genau überprüfen,
> Differenzen zu den eigenen Aufzeichnungen beim Arbeitgeber umgehend einfordern.

IG BAU-Mitglieder sind klar im Vorteil: Bei Problemen können sie sich an ihren zuständigen Bezirksverband wenden. Denn bares Geld hat niemand zu verschenken.

„Dass die Arbeitgeber wegen des Mindestentgelts jammern, kann ich nicht nachvollziehen. Sie sparen schließlich in den nächsten zwei Jahren noch viel Geld“, sagte Harald Schaum, Stellvertretender IG BAU-Bundesvorsitzender und innerhalb der Gewerkschaft für den Agrarbereich zuständig.

Tarifliches Mindestentgelt für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau

seit 1. Januar 2015 ab 1. Januar 2016
West7,40 Euro/Stunde8,00 Euro/Stunde
Ost7,20 Euro/Stunde7,90 Euro/Stunde
Bundesweitab 1. Januar 2017ab 1. November 2017
8,60 Euro/Stunde9,10 Euro/Stunde

Ein Beitrag unserer Kolleginnen Kätchen Nowak und Gerlinde Dickert in der IG Bau-Mitgliederzeitschrift „Der Grundstein/Der Säemann“, 04/2015.