Streik bei KMB Marsberg


Kein Lohn für Betriebsrats-Kandidaten


Betriebsratsvorsitzender Rene Heißig (li.) und IG BAU-Mann Bodo Matthey (re.) © IG BAU (Heinrich Echterdiek)
23.02.2012
In der Fa. Kombi-Massiv-Bauelemente (KMB) gärt es: Wenn der Betriebsrat sich nicht auflöse, werde der ganze Betrieb „vor die Wand gefahren“. Das soll Dienstagnachmittag ein leitender Angestellter namens der Geschäftsführung in einer Mitgliederversammlung angedroht haben.

Sagt jedenfalls Bodo Matthey, Gewerkschaftssekretär der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

„Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagte dagegen Hermann Jakobs, Geschäftsführer und Mitgesellschafter, zur WP. Grundsätzlich finde er „Betriebsräte fantastisch“.

Seit sich die Belegschaft im Herbst mit der Gründung eines Betriebsrates beschäftigte, hängt der Haussegen in dem 105 Mitarbeiter großen Unternehmen jedoch schief. Anlass, nach 1978 wieder eine organisierte Arbeitnehmervertretung zu installieren, sei, so Matthey, in erster Linie die untertarifliche Bezahlung. Das Unternehmen sei nicht dem Arbeitgeberverband angeschlossen und deshalb auch nicht tarifgebunden. Hinzu gekommen seien Klagen über die Arbeitsbedingungen.
Nach Gewerkschaftsangaben gehören rund 60 Prozent der Belegschaft der IG BAU an. Am 19. Dezember fand die Wahl des siebenköpfigen Gremiums statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 76 Prozent. Das Amt des Betriebsratsvorsitzenden wurde Rene Heißig, seit 15 Jahren bei der KMB tätig, übertragen.

Bereits zweimal trafen sich die zerstrittenen Parteien vor dem Arbeitsgericht. Die Geschäftsführung hatte in Arnsberg eine Anfechtungsklage gegen die Betriebsratswahl eingereicht. Angeblich, so der IG BAU-Sekretär, sei die Einladung nicht korrekt erfolgt. Der Richter, so Matthey weiter, habe jedoch schon zu erkennen gegeben, dass die Wahl deshalb nicht nichtig sei.

Außerdem hatte die Unternehmensleitung den Gewerkschaftssekretär mit Hausverbot belegt und wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Das Arbeitsgericht habe ihm jedoch den uneingeschränkten Zutritt zugesprochen. Dagegen laufe derzeit noch eine Beschwerde. „Erpressung“ nennt ein langjähriger KMB-Mitarbeiter gegenüber der WP die Äußerungen der Geschäftsleitung in der Belegschaftsversammlung am Dienstag.

Dass die Chefs es ernst meinen, haben die 24 Mitarbeiter, die für den Betriebsrat kandidierten, am eigenen Leib erfahren müssen: Ihnen ist für Januar kein Geld mehr überwiesen worden. Für Hermann Jakobs stellt sich der Konflikt als individuelles Problem dar. Er hat einige wenige „Hardliner“ und „Schreihälse“ ausgemacht, die mit ihren Forderungen und ihrem Verhalten das Werk viel Geld kosten und - so seine Interpretation der Äußerung von Dienstag - „das Werk vor die Wand fahren“.

Der Betriebsrat, so Jakobs, habe die Anschaffung von „100 Heizpilzen“ gefordert, um eine Arbeitstemperatur von 12 Grad in 75 cm Höhe über dem Boden sicherzustellen, zudem heiße Getränke und zusätzliche Aufwärmpausen. Stimmt so nicht, sagt BR-Vorsitzender Heißig. Es sei um „drei, vier Mann“ gegangen, die bei der jüngsten Kältewelle hätten arbeiten müssen. Für sie habe er Tee und Pausen beantragt.

Gut und gerne 35 000 Euro habe man bisher für die Betriebsratsaktivitäten ausgeben müssen, sagte Jakobs zur WP. Dass den 24 Betriebsratskandidaten der Januar-Lohn nicht gezahlt worden sei, stimme: Man werde für derart gegen die Betriebsinteressen agierende Mitarbeiter nicht auch noch den Kontokorrent in Anspruch nehmen, um ihnen Löhne zu zahlen. Immerhin hätten die Gesellschafter vor 10 Jahren mit ihrer 14-Mio-Euro-Investition in das Werk „ihren Kopf weit aus dem Fenster“ gelehnt. 45 Arbeitsplätze seien damals geschaffen worden. Jetzt baut das Unternehmen Stellen ab. 15 Mitarbeiter sind bereits in diesem Jahr entlassen worden. Weitere, so Jakobs, werden folgen.

Am Freitag um 13 Uhr findet eine Belegschaftsversammlung statt.

Ein Beitrag von Jürgen Hendrichs in der Westfalen Post Marsberg.

Die Internet-Redaktion dankt der Westfalen-Post für die Nutzungsgenehmigung des Textes.

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