Frauen


Altersarmut trotz Zuschussrente

20.02.2012
Bei der geplanten "Zuschussrente" machen viele Frauen nach Ansicht der Bundesregierung scheinbar etwas falsch: Sie verdienen zu wenig und versuchen trotzdem, Berufstätigkeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen.

Damit profitieren sie, anders als behauptet, eher nicht von der geplanten Zuschussrente, wie Johannes Steffen von der Arbeitnehmerkammer Bremen nachgerechnet hat.

Weil die Zuschussrente in Höhe von 850 Euro weniger Niedriglöhne (siehe Grafik: Frauen arbeiten häufiger für Niedriglohn), sondern nur Zeiten geringeren Arbeitsentgelts wegen Teilzeit, in Kombination mit Erziehungs- und Pflegephasen im Auge hat, honoriert sie vorrangig das traditionelle Muster weiblicher Erwerbs- und Einkommensverläufe als (zeitweilige) Vollzeit-Mutter und Zuverdienerin. Denn die Zugangsvoraussetzungen der Zuschussrente – neben den erforderlichen Jahren des „Riesterns“ sind das insgesamt 45 Versicherungsjahre, davon 35 Pflichtbeitragsjahre – erfüllen am ehesten Frauen, „deren Biografie einer klaren Phasentrennung folgt“, weist Steffen nach.

Die Frau mit dem „falschen“ Lebensverlauf, die Familie und Beruf zeitlich vereinbart hat, erhält trotz gleich langer Beschäftigungs-, Kinderberücksichtigungs- und Pflegezeiten keine Zuschussrente. Statt der Mogelpackung „Zuschussrente“ empfiehlt der Forscher eine Verlängerung beziehungsweise Entfristung der Rente nach Mindestentgeltpunkten. Neun von zehn Altersrenten, die aufgrund der Höherbewertung niedriger Pflichtbeiträge gezahlt werden, gehen nämlich an Frauen.

Was die Bundesregierung nicht kümmert: Niedriglohnzeiten nach 1991 werden nicht mehr erfasst und deren Rentenwerte nichtmehr erhöht – obwohl der Niedriglohnsektor gerade für Frauen weiter boomt. Sozialpolitik à la Frau von der Leyen ist nur zu einem Teil „für meine Generation der Frauen“ gemacht, wie die Ministerin verkündet. Aber sie braucht ja auch keine Zuschussrente.


Quelle: Arbeitnehmerkammer Bremen

Ein Beitrag unseres Kollegen Michael Knoche in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann" 2/2012.

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