IG BAU - die tun was!


Erfolg für den Betriebsrat: Haustarifvertrag bei BauMauch im Schwarzwald

v.li.n.re: Geschäftsführer Jens Faras, Polier Bernhard Baur, BR-Vorsitzender Ralf Link, Gewerkschaftssekretär Claus Redondo und  Regionalleiterin Inge Hamm
v.li.n.re: Geschäftsführer Jens Faras, Polier Bernhard Baur, BR-Vorsitzender Ralf Link, Gewerkschaftssekretär Claus Redondo und Regionalleiterin Inge Hamm © IG BAU
26.07.2013
Mit dem „alten“ Eigentümer gab es einige Unstimmigkeiten zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung der Hochbaufirma Bau-Mauch in Dunningen bei Rottweil. Mittlerweile wurde der Betrieb verkauft und die neuen Eigentümer mussten sich mit dem Betriebsrat an einen Tisch setzen. Da die vorherige Geschäftsleitung so viel Mist gebaut hatte, gab es einiges zu regeln.

Beispielsweise ging es um fünf sogenannte Austauschkündigungen. Das heißt, dass fünf Kollegen von der Stammbelegschaft gekündigt wurden und statt derer fünf Leiharbeiter beschäftigt werden sollten. Generell ist im Bauhauptgewerbe Leiharbeit verboten und nur die sogenannte „Kollegenhilfe“ ist erlaubt. Sie besagt, dass unter Betrieben des Bauhauptgewerbes bei sogenannten „Produktionsspitzen“ ein Baubetrieb dem anderen seine Facharbeiter ausleihen kann. In der Realität sieht es aber mittlerweile so aus, dass alle großen Baubetriebe fast keine eigenen gewerblichen Facharbeiter mehr haben und sich mit Sublern oder Leiharbeitern einen Konkurrenzvorteil verschaffen. Gegen diesen können sich dann die kleineren Firmen längerfristig nur schwer durchsetzen.

Der Betriebsratsvorsitzende von Bau-Mauch, Ralf Link, ermunterte alle gekündigten Kollegen, sich dagegen zu wehren und eine Kündigungsschutzklage vorm Arbeitsgericht in Villingen-Schwenningen einzureichen. Er weiß: „Wenn wir uns das gefallen lassen, macht das hier irgendwann jeder so. Und wer da der Gelackmeierte ist, sind wir, die Arbeiter. Kein Chef wird, wenn er dadurch mehr Geld erwirtschaftet, seine Leute besser bezahlen…“

Und so klagte auch der Betriebsrat dagegen, weil personelle Maßnahmen mitbestimmungspflichtig sind. Doch das Wort Mitbestimmung war für die damalige Geschäftsleitung von Bau-Mauch ein Fremdwort. Gemeinsam mit der gewerkschaftsnahen Anwaltskanzlei Zuber & März aus Konstanz, die zusammen mit der IG-BAU die Betriebsräte bei ihrer Arbeit in der Region unterstützt, wurde Klage eingereicht und für alle fünf Kollegen gewonnen. „Der Arbeitsrichter schmunzelte, als er schon wieder eine Klage von uns gegen Bau-Mauch vorliegen hatte, von denen wir alle gewonnen haben!“ erinnert sich Jürgen Wernz, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Die Fachgruppe Bauhauptgewerbe im Bezirksverband Südbaden begleitete die Geschichte vor Ort mit Infoständen und Informationsveranstaltungen unter dem Motto „Leiharbeit am Bau - Wir sagen nein“.

Die neue Geschäftsleitung arbeitet nun gut und eng mit dem Betriebsrat zusammen. Am 3.Juni war es dann soweit: ein Haustarifvertrag sollte verhandelt werden. Der Tarifkommission, bestehend aus Ralf Link und Bernhard Baur, den gewählten Vertretern der Belegschaft, IG BAU-Regionalleiterin Inge Hamm und dem betreuenden Gewerkschaftssekretär Claus Redondo saßen auf der anderen Seite des Tisches die Herren Faras und Armbruster für die Geschäftsleitung gegegnüber. Die Verhandlungen liefen harmonisch ab, es gab eine rasche Einigung und der Tarifvertrag wurde unterschrieben. "Wichtig ist, dass wir erreicht haben, dass die Firma in einem Anerkennungs-Tarifvertrag alle nicht allgemeinverbindlich erklärten und alle allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträge für das Baugewerbe anerkennt. Das hat die Belegschaft durch ihren Zusammenhalt und durch die Organisationskraft der gewerblichen Mitarbeiter erreicht," erklärt IG BAU-Regionalleiterin Inge Hamm.

Festzustellen ist auch: das Klima zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat hat sich deutlich verbessert. Die neuen Geschäftsleiter betonten immer wieder ihre Absicht, die Belegschaft wertschätzend mit einzubeziehen.

Ralf Link, der jetzt gestärkt aus der jahrelangen Auseinandersetzung hervorgeht und die komplette organisierte Belegschaft hinter sich weiß, sagte abschließend: „Über eines bin ich mir jetzt sicher: man muss sich alles, aber auch alles, erkämpfen, denn von alleine wird einem nichts gegeben!“

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