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Eurozone: Krisenländer in der Deflationsfalle


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17.01.2014
Seit Jahren werden die Märkte weltweit mit billigem Zentralbankgeld geflutet. Niedrigzinsen sollen mehr Konsum anregen, Sparen unattraktiver und Kredite billiger machen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) senkte den Leitzins kontinuierlich, zuletzt auf 0,25 Prozent. Nun warnen Euro-Skeptiker und einige Ökonomen, billiges Geld führe zur Inflation. Doch das Gegenteil ist der Fall:

Die Inflation geht zurück – sowohl in Deutschland als auch im Euroraum. Die EZB sieht Preisstabilität gewährleistet und hält es für volkswirtschaftlich wünschenswert, wenn die Preise mit einer Rate von knapp unter 2 Prozent steigen. Im Euroraum lag die Inflationsrate Ende 2013 aber nur noch bei 0,8 Prozent (siehe Grafik. Ein historischer Tiefpunkt und weit entfernt vom Inflationsziel der EZB. Selbst in Deutschland geht die Preissteigerung momentan erheblich zurück. Zwischen 2011 und 2013 sank die Inflationsrate trotz historisch niedriger Zinsen, kräftiger Lohnerhöhungen und steigender Strompreise von 2,1 Prozent auf 1,5 Prozent. Der Grund: Ein starker Euro sorgte für billige Kraftstoffe (Preisentwicklung: -3,4 Prozent), billiges Heizöl (-6 Prozent) und günstige Unterhaltungselektronik (-5,1 Prozent).

Doch viele Deutsche, vor allem Geringverdiener, sehen das oft ganz anders: Preise von Gütern des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittel, stiegen 2013 weit überdurchschnittlich um mehr als 4,4 Prozent. Obwohl sie nur mit 10 Prozent in den Warenkorb für die Inflationsmessung eingehen, prägen die Lebensmittelpreise die individuelle Wahrnehmung viel stärker und machen 27 Prozent der „gefühlten Inflation“ aus. Dennoch: Die offiziellen Inflationszahlen widerlegen die These einer drohenden Inflationsgefahr in Deutschland.

Eine andere Gefahr bedroht vor allem die Krisenländer des Südens. Sie stecken tief in einer Deflationsfalle. Lohn-, Renten- und Sozialkürzungen – oft auf Druck der Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds – drücken im Süden der Eurozone massiv die Kaufkraft. Folge: Die Binnennachfrage geht zurück. Der Kampf um den kleiner gewordenen Kuchen verschärft sich. Infolgedessen sinkt das Preisniveau mancherorts kontinuierlich. Es kommt zur Deflation.

So sanken trotz administrativer Preissteigerungen durch die Erhöhung von Mehrwertsteuern, Gebühren etc. die Preise in Griechenland im November um 2,9 Prozent (Zypern: -0,8 Prozent, Portugal: -0,1 Prozent). Der Realwert des Geldes steigt so mit jedem Tag. Das hat, genau wie eine unkontrollierte Inflation, verheerende makroökonomische Effekte: Die Konjunktur gerät ins Stocken, da sich Unternehmen und Verbraucher in der Erwartung weiter sinkender Preise mit Investitions- und Kaufentscheidungen zurückhalten. Eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und Konsum- und Investitionszurückhaltung setzt ein und würgt das Wachstum massiv ab.

Abhilfe können nur eine massive Investitionsoffensive - ein neuer „Marshallplan für Europa“ - sowie ein Ende der unsozialen Sparpolitik schaffen. Nur anziehendes Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätze, höhere Löhne und eine wirtschaftlich prosperierende Zukunft werden das Deflationsgespenst vertreiben.