Geschichte


Flügelkämpfe mit Rosa Luxemburg um den Generalstreik

Beginn der modernen Arbeitervertretung

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17.10.2012
Vor 100 Jahren ist Theodor Bömelburg, einer der bedeutendsten Arbeiterführer seiner Zeit, gestorben. Durch seinen Einsatz hat er nicht nur die Maurerbewegung wesentlich aufgebaut, sondern die gesamte Arbeiterbewegung mitgestaltet.

Er war zudem ein pragmatischer Politiker, ein Realo unter den vielen Fundamentalisten in der damaligen SPD. Ihm war keine Arbeit zu viel, er kümmerte sich auch um Kleinigkeiten. Privat blieb er bescheiden und wollte kein Aufsehen um seine Person. Ihm ging es nicht um Macht, sondern um die Sache.

Als Bömelburg 1862 geboren wurde, war Bismarck gerade zum Ministerpräsidenten Preußens berufen worden und schlug in seiner Eisen- und Blut-Rede bereits den Grundton seiner weiteren Politik an. Die industrielle Revolution veränderte das Land. ‚Viele Menschen lebten in Armut. Auch die Familie Bömelburgs, die der Vater von seinem Maurerlohn mehr schlecht als recht ernähren konnte.

Diese Zeit der Umwälzungen, der Not auf der einen und des immensen Reichtums auf der anderen Seite prägten den jungen Maurergesellen. In ihm wuchs die Erkenntnis, eine Chance auf Verbesserung gibt es nur, wenn sich viele gemeinsam engagieren. In Bochum war er Mitbegründer des Maurerfachvereins. Nach dem Umzug nach Hamburg 1888 organisierte er Unterstützung, um einen reichsweiten Maurerzentralverband ins Leben zu rufen.

Er wollte ein besseres Leben für „seine“ Maurer. Es waren die großen Ziele, für die Bömelburg kämpfte - sie bestimmen noch heute die Arbeit der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).

Er erstritt in Tarifverträgen höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und kämpfte für den Bauarbeitsschutz. Gleichzeitig förderte er die Gemeinschaft der Maurer durch Ausflüge, Feste und natürlich die Maurergesangsvereine – im Chor der Maurer Hamburgs sang er selbst mit.

Rhetorisches Talent

Welche Überzeugungskraft und Ausstrahlung Bömbelburg gehabt haben muss, lässt sich ebenso daran sehen, wie erfolgreich er seine Vorhaben durchgesetzt hat, als auch an der Vielzahl seiner Ämter. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit als Verbandsvorsitzender sah Bömelburg in der Mitgliederwerbung. Er fuhr unermüdlich durch das Deutsche Reich und beeindruckte nicht nur durch seine Redegewandtheit. Er besaß eine Persönlichkeit und ein Auftreten, das die Zuhörer in seinen Bann zog und sie überzeugte.

In seiner Amtszeit stieg die Zahl der Mitglieder des Zentralverbands um mehr als das Zehnfache auf rund 180.000. Mit seinem wohl berühmtesten Satz „Partei und Gewerkschaft sind eins“ schmiedete er die Arbeitervertretung an die SPD. Nicht alle stimmten ihm zu. Er sagte später: „Wenn ich gewußt hätte, welch ein Aufsehen um diesen Ausspruch gemacht wird, hätte ich ihn in andere Worte gekleidet.“ An der grundsätzlichen Aussage hielt er aber fest.

Ebenso durchsetzungsstark zeigte er sich wenig später beim Streit um einen politischen Generalstreik. Gegen den entschiedenen Widerstand der Parteilinken unter Rosa Luxemburg erreichte er, dass den Gewerkschaften in dieser Sache das letzte Wort zugestanden und der politische Massenstreik abgelehnt wurde.

Früher Tod

Bömelburg hat sich nicht geschont. Er starb mit nur 50 Jahren an den Folgen einer wegen seiner Arbeitsbelastung verschleppten Nervenkrankheit. Auf der Trauerfeier im neu errichteten Gewerkschaftshaus in Hamburg sprachen außer Karl Frohme, der die Trauerrede hielt, auch Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann. Dem Sarg folgten 6.000 Maurer und Sozialdemokraten.

Theodor Bömelburg

Geboren:27. September 1862 in Westönnen/Westfalen
1893 - 1910 Erster Vorsitzender des Zentralverbands der Maurer
1899, 1902
1905, 1908
Vorsitzender des Gewerkschaftskongresses
der freien Gewerkschaften
1903Vorsitzender der internationalen Maurerkonferenz
1903 - 1910Vorsitzender der Bauarbeiter-Internationale
1903 - 1911SPD-Reichstagsabgeordneter für den Wahlkreis Dortmund-Hörde
1904 - 1907Mitglied der Hamburer Bürgerschaft
1907 - 1912Sekretär der internationalen Maurerkonferenz
1910 - 1912Erster Vorsitzender des 1910 gegründeten Deutschen Bauarbeiterverbands
Gestorben:17. Oktober 1912 in Hamburg

Ein Beitrag von Lutz Bachmann in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Oktober 2012.