Umwelt / Nachhaltige Entwicklung


"Somos todos Saweto“ - „Wir sind alle Saweto“

Freitag, 5. Dezember - UN-Klimakonferenz in Lima (Peru)

Die Frauen von Saweto wollen Gerechtigkeit für ihre ermorderten Ehemänner.
Die Frauen von Saweto wollen Gerechtigkeit für ihre ermorderten Ehemänner. © Peco Institut (Lisa Bauch)
Lima (Peru), 05.12.2014
Der erste Tag in Lima beginnt mit einem traurigen Anlass. Gewerkschaften und indigene Gruppen finden sich in einer gemeinsamen Solidaritätsaktion zusammen, um zwei Witwen mit ihren Kindern zu unterstützen. Sie gehören den Ashinka an und kommen aus der Region Saweto im Amazonas. Sie fordern die peruanische Regierung auf, die Morde an ihren Ehemännern und Brüdern Quincima Leoncio Melendez, Jorge Rios Perez und Francisco Pinedo aufzuklären und endlich gegen illegale Abholzung im Amazonasregenwald Perus vorzugehen.

Quincima, Jorge und Francisco dokumentierten die illegalen Aktivitäten von Unternehmen, um sie den Behörden vorzulegen. Eine äußerst gefährliche Tätigkeit, die sie mit ihrem Leben bezahlten. Nicht alle ihrer Leichen sind bisher gefunden. Die peruanischen Behörden ignorieren die Aufklärungsarbeit der indigenen Bevölkerungen und tun auch nichts, um die Morde aufzuklären.

Was soll das auf der Klimakonferenz? Nun zum einen trägt die massive Abholzung des Regenwalds stark dazu bei, dass CO2 nicht mehr von den Pflanzen aufgenommen wird, sondern in der Atmosphäre verbleibt und somit das Klima aufheizt. Zum anderen ist die Nicht-Anerkennung der Rechte der Menschen, die seit Jahrhunderten in Einklang mit dem Regenwald leben, und die Zerstörung des Regenwaldes stark miteinander verwoben.

Ein Saweto-Vertreter erklärt: “Die Regierung erkennt unseren Kampf um die Anerkennung von Landrechten nicht an. Sie behandeln uns wie Tiere. Sie verkaufen unser Land an multinationale Unternehmen. Aber wir leben dort. Unsere Großeltern lebten und starben hier. Ich bin so traurig. Leute hier in Lima reden über das Klima und wie man es schützen kann. Aber es sind die multinationalen Unternehmen und die Regierung, die sie lässt, die unsere Umwelt zerstören. Wir kämpfen um Landrecht, damit wir unsere Wälder beschützen können.”

Die Abholzungsmafia bewegt sich straflos in Peru. Oftmals sind es Ketten von Sub-Unternehmen, so dass es schwierig ist, die Verbindungen zu den eigentlichen Auftraggebern nachzuverfolgen. Ein ausgewachsener Mahagoni-Baum bringt 11.000 Dollar auf dem illegalen Markt. Nach der UN Umweltorganisation belaufen sich die Gewinne aus illegaler Abholzung weltweit auf 30 bis 100 Milliarden Dollar jährlich. Die WHO schätzt, dass in Peru 80 Prozent des Holzexports auf illegales Schlagen zurückgehen.

Die peruanische Gesellschaft hat oft mit unverantwortungsvollen Praktiken beim Ressourcenabbau zu kämpfen. Es sind vor allem die armen Menschen, die darunter leiden und von ihrem Land vertrieben werden, damit Unternehmen und kleine Eliten maximalen Gewinn aus den natürlichen Ressourcen (Holz, Gold) des Landes ziehen können.

Quincima, Jorge und Francisco und ihre Hinterbliebenen geben den oft sehr abstrakten Klimaverhandlungen ein Gesicht. Doch zeigt es auch, dass selbst wenn ein Abkommen auf internationaler Ebene zustande kommt, die Länderebene enorm wichtig bleibt, um eine klima-freundliche, gerechte, nachhaltige Entwicklung zu realisieren.

Die peruanischen Gewerkschaften unterstützen die indigenen Communities, deren führende Persönlichkeiten oft selbst gewerkschaftlich organisiert sind.

ILO 169 definiert, dass indigene Gemeinschaften das Recht haben, frei, rechtzeitig und informiert zu bestimmen, ob ein Entwicklungsprojekt welcher Art auch immer realisiert wird, wenn es Auswirkungen auf ihr Land oder Territorien hat.

Ein Beitrag unserer Kollegin Lisa Bauch.

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