Geschichte


Wir wollen freie Menschen sein - 17. Juni 1953

17.06.2012
Am 17. Juni 1953 probten in Ostberlin Bauarbeiter den Aufstand. Aus einem Widerstand gegen eine Neufestlegung von Normen wurde ein DDR-weiter Widerstand gegen das SED-Regime. „Wir wollen freie Menschen sein“ war die erste Parole, die von mehr als nur einem Protest gegen die Normenerhöhung kündete. Nach nur zwei Tagen machten sowjetische Panzer dem Aufstand ein Ende, der die SED-Führung um Walter Ulbricht kurzfristig ins Wanken brachte.
NWD (West) zum 17. Juni 1953

NWD (West) zum 17. Juni 1953

Aber – so ironisch kann Geschichte sein – langfristig zu ihrer Stabilisierung beitrug. Der 17. Juni 1953 war die größte spontane Erhebung deutscher Arbeiter im 20. Jahrhundert (siehe dazu auch: Tagesschau-Jahresrückblick 1953). Sowjetische Panzer unterdrückten den Wunsch nach Freiheit, ganz auslöschen konnten sie ihn nicht.

36 Jahre später war es endlich so weit. Der 9. November 1989 zeigte: der Wunsch nach Freiheit war stärker als alle Repressionen. Mauer und Stacheldraht hielten nicht stand.

Wenige Tage nach dem Juni-Aufstand 1953 beschloss der Deutsche Bundestag auf Antrag der SPD-Fraktion, den 17. Juni zum „Tag der deutschen Einheit „ zu erklären. „Die Arbeiter sind zwar geschlagen worden, aber sie sind nicht besiegt“, zitierte Herbert Wehner ein Wort von Karl Marx zum Gedenken an die Juni-Kämpfer im Paris des Jahres 1848.

Jährlich gab es Gedenkveranstaltungen im Bundestag und anderswo. Man sprach von der Treue zu den „Brüdern und Schwestern in der DDR“, von Respekt vor ihrem heldenhaften Mut und Freiheitswillen. Für die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland verlor dieser Tag nach und nach seine Bestimmung als Gedenktag. Allmählich fielen die Todesopfer, die Verfolgten und die ins Gefängnis Geworfenen dem Vergessen anheim. Die Umwandlung des Feiertages 17. Juni in einen Arbeitstag war beschlossene Sache, als Politiker ihn dann nach der Wiedervereinigung endgültig fallen ließen. Der Vollzug der Einheit am 3. Oktober 1990 wurde Feiertag – und damit Ausgangspunkt für einen neuen „Tag der deutschen Einheit“.

Die politische Bedeutung des 17. Juni 1953 für das Wesen freier Gewerkschaften darf nicht vergessen werden. Er ist aktive Mahnung, dass freie Gewerkschaften und Tarifautonomie zu den Lebenselementen einer Demokratie zählen.

Für die Identität der Menschen in den neuen Bundesländern, für ihren Freiheitswillen und für ihren Stolz bleibt der 17. Juni 1953 ein wichtiger Tag. Und für alle bleibt der Aufstand eine Aufforderung, die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ernst zu nehmen und sie nicht auf dem Altar irgend einer Ideologie zu opfern.

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