IGay BAU


Zwei von uns: Andrea Teller und Carsten Wirth

Die IGay BAU kommt!

Die Initiatoren (von links): Andrea Teller, Uli Steinert-Dietrich, Sylvia Honsberg, Heike Stoffels, Carsten Wirth © IG BAU (Grundstein)
Die Initiatoren (von links): Andrea Teller, Uli Steinert-Dietrich, Sylvia Honsberg, Heike Stoffels, Carsten Wirth © IG BAU (Grundstein)
30.06.2012
Carsten ist schwul, steht dazu und hat als Konsequenz das ganze Paket an Vorurteilen, Mobbing und Jobverslust abgekriegt. Andrea hat als Lesbe dagegen keine schlechten Erfahrungen gemacht. Sie stört es, dass sexuelle Minderheiten noch immer nicht die gleichen Rechte haben wie die heterosexuelle Mehrheit. Beide wollen, dass sich ihre Gewerkschaft IG BAU für die Belange von Homosexuellen stark macht. Sie suchen Mitstreiter für die IGay BAU, die im August gegründet werden soll.

Jede Menge gestapeltes Brennholz in der Gartenecke zeigt, dass da einer mit der Axt umgehen kann. Als Forstwirt geht Carsten Wirth diese Arbeit immer noch leicht von der Hand, obwohl er inzwischen beim Küstenschutz arbeitet. Der Weggang aus den Landesforsten war alles andere als von ihm gewollt. Carsten konnte aber den Unterstellungen, Verdächtigungen und anderem üblen Gerede nach seinem Coming-Out irgendwann nicht mehr standhalten.

Dabei war der Norddeutsche einmal besonders beliebt bei seinen Kollegen. Sie wählten ihn sogar zum Personalrat. Das war, bevor Carsten offen dazu stand, dass er einen Mann liebt. Als diese Nachricht durch war, machten seine Ex-Kollegen und sein früherer Chef ihm Schwierigkeiten. Man kann es auch Mobbing nennen.

„Damals hat sich der IG BAU-Sekretär vor Ort sehr für mich eingesetzt“, berichtet der 37-Jährige. „Doch er musste auch zugeben, dass er sich kaum mit den Schwierigkeiten von Schwulen am Arbeitsplatz auskennt. Das ist eine Lücke, die ich schließen will“, sagt er. IG BAU-Mitglieder, die wegen ihrer sexuellen Orientierung Probleme im Job haben, sollen wissen, dass es für sie Ansprechpartner in der Gewerkschaft gibt. Er baut darauf, dass möglichst viele die Gruppe IGay BAU unterstützen.

© b_engel

Gleiche Rechte

Andrea Teller geht es zudem um die politische Arbeit. „Auch wenn sich einiges getan hat, werden Homosexuelle in Deutschland noch immer benachteiligt. Es ist wichtig, dass sich aktive IG BAU-Mitglieder zusammenfinden, die sich gegen Diskriminierungen, wie etwa im Steuer-, Erbschafts- oder Adoptionsrecht einsetzen“, sagt die Gebäudereinigerin aus Thüringen. Sie steht aber auch mit Rat zur Seite, wenn sie zu Problemen im Job gefragt wird.

Andrea selbst hat allerdings ein Bilderbuch-Coming-Out gehabt. „Mit 15 Jahren wusste ich Bescheid“, sagt die 47-Jährige. „Das war kein Problem. Eltern, Familie und Freunde fanden das ok.“ Möglich, dass ihr schon damals offen schwul lebender Onkel Pionierarbeit bei den Verwandten geleistet hatte.

Ihre offene Art führt zu Akzeptanz. Arbeitgeber und Kolleginnen haben jedenfalls kein Problem damit, dass sie mit einer Frau zusammenlebt. Carsten und Andrea fänden es schön, wenn das demnächst alle Schwulen und Lesben in der IG BAU berichten könnten.

Ein Beitrag unseres Kollegen Ruprecht Hammerschmidt in der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", 06/2012.