Faire Arbeit Jetzt


Das geht nur, wenn wir an einem Strang ziehen

Sylke Probst, Gebäudereinigerin, Berlin, IG BAU-Mitglied seit 2006
Sylke Probst, Gebäudereinigerin, Berlin, IG BAU-Mitglied seit 2006 © IG BAU (zplusz)
30.07.2014
Rund 600 000 Menschen arbeiten in Deutschland als Gebäudereiniger, etwa 80 000 von ihnen mit befristeten Arbeitsverträgen. Tendenz steigend: Denn es gibt fast keine unbefristete Neueinstellung mehr. „Das ist ein Unding“, empört sich Sylke Probst.

„Bei uns in der Firma, der Gegenbauer Property Services, ist das glücklicherweise anders geworden. Das liegt auch mit daran, dass wir vom Betriebsrat immer wieder nachgehakt haben, worin die Gründe der Befristung zu sehen sind.“

Damit hat sich das Gremium die Chefs wohl „gut erzogen“. Denn mittlerweile lautet dort die Devise: Stammpersonal halten. Es wird auch immer schwieriger, neue Mitarbeiter zu finden.

Kein Wunder: Denn Gegenbauer Property Services bietet vor allem Treppenreinigung an – ein schweißtreibender Job. Dass andere Firmen nach wie vor auf Befristung setzen, kann Sylke absolut nicht verstehen. „Natürlich ist das unfair. Wie sollen die Kolleginnen und Kollegen denn mit so einer Situation zurechtkommen?“

Die Angst vor ungeplanten Ausgaben, die Angst davor, nicht weiterbeschäftigt zu werden. „Wer Angst um seine Existenz haben muss, traut sich doch gar nicht mehr, was zu sagen und für seine Rechte zu streiten.“

Als ehrenamtliche Arbeitsrichterin weiß die 50-Jährige, wovon sie spricht. Trotzdem glaubt sie, dass man etwas ändern kann.„Das geht aber nur, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen und uns wehren.“ Für Sylke bedeutet „Faire Arbeit“ ein „angstfreies Miteinander am Arbeitsplatz. Das ist ein Geben und ein Nehmen – von beiden Seiten.“

Ein Beitrag aus der IG BAU-Mitgliederzeitschrift "Der Grundstein/Der Säemann", Ausgabe 7-8/2014.

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