Arbeitssicherheit / Gesundheitsschutz


Mit heiler Haut davonkommen


© IG BAU
01.07.2015
Die Pioniere für die Anerkennung von Hellem Hautkrebs als Berufskrankheit berichteten auf einem Seminar der IG BAU-Region Westfalen von ihrem Erfolg nach jahrzehntelanger Arbeit – und übergaben den Staffelstab an die Gewerkschaft.

Seit den 90er-Jahren kämpft die IG BAU für die Anerkennung des Hellen Hautkrebs als Berufskrankheit für diejenigen, die einen erheblichen Teil ihrer Arbeit unter freiem Himmel verbringen. Die Bauberufe von der Dachdeckerin bis zum Straßenbauer sind hier betroffen. Aber auch Sportlehrerinnen oder Erzieher.

Unter den Vorkämpfern sind Ärzte, die ihre Forschungsergebnisse in Gremien und auf Fachtagungen vorstellten, argumentierten, bewiesen und übersetzten. Und das erfolgreich. Heller Hautkrebs als Ergebnis jahrelanger ungeschützter Arbeit unter der Sonne ist seit dem 1. Januar dieses Jahres gesetzlich als Berufskrankheit anerkannt. Die langwierigen Verhandlungen ließen sich durch die Anekdoten vom ehemaligen DGUV-Referenten Otto Blome erahnen. Behandlung und Verhütung müssen von den Berufsgenossenschaften übernommen werden.

Jetzt ist es an den aktiven Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, das Berufsrisiko „Sonnenstrahlung“ in die Köpfe und vor allem in die Gewohnheiten der Kolleginnen und Kollegen draußen zu kriegen. Hierzu hat Bodo Matthey, Regionalleiter der IG BAU in Westfalen, die wichtigsten Experten zum Hellen Hautkrebs aus Ärzteschaft und Gewerkschaft für den 27. Juni nach Dortmund eingeladen. Mit über 60 Besucherinnen und Besuchern – vom ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen über selbst betroffene Kollegen bis hin zu um ihre gesundheitliche Zukunft besorgte Auszubildende aus dem Dachdeckerhandwerk – war der Konferenzsaal voll.

Prof. Dr. Wehrmann (Universität Münster) und Dr. Ulrich (Charité Berlin) fassten den Stand von Wissenschaft und Medizin zusammen. Jahrelange Sonnenbelastung der Haut – vor allem Gesicht, Nacken, Unterarme, bei einigen Kollegen aber auch der ganze Oberkörper bei entsprechender Baustellengarderobe – führt zu Hautkrebs. Im hohen Alter sind gut 50 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen betroffen. Bei vernünftiger Behandlung sind keine größeren Narben, keine Operationen notwendig. Unbehandelt entwickelt sich der Krebs jedoch weiter, zwingt zu Amputationen und kann tödlich enden.

Im ersten Schritt ist Vorsorge möglich. Speziell für den Arbeitseinsatz wurden Cremes und Sprays entwickelt, die nicht schmieren, nicht in die Augen laufen und nicht alle paar Stunden erneuert werden müssen. Die Textiltechnologie ist so weit, dass es langärmelige Hemden gibt, die die Haut kühlen und nicht reizen. Helme können mit Nackenschutz versehen werden. Hier hat die IG BAU in Kooperation mit Partnerfirmen Produkte zum Ausprobieren bereit gestellt, die konkret Abhilfe verschaffen und Betriebsräten und Arbeitsschutzbeauftragten helfen, anschaulich zu erklären, welche unkomplizierten Sicherheitsvorkehrungen möglich und nötig sind.

Anerkennung als Berufskrankheit bedeutet, dass die Behandlung nun als BG-Fall durchgeführt wird, auch bei alten, längst diagnostizierten Patientinnen und Patienten. Zuzahlungsfreie Medikamente und Untersuchungen sind nun einfacher möglich. Jeder Hautarzt kann und sollte sich an die zuständigen Stellen wenden. Zur Sicherheit gibt es jetzt zusätzlich in den Büros der IG BAU Formulare für Kollegen und Angehörige, um sich selbst um die Anerkennung per Brief zu kümmern.

Für die ehrenamtliche Aktiven der Gewerkschaft und die Sekretärinnen und Sekretäre der IG BAU geht es jetzt aber an die Umsetzung. Auf Baustellen, in Betrieben und Ausbildungszentren muss das Bewusstsein für die Gefahr Heller Hautkrebs geschaffen werden. Hier existieren Infomaterialien, die Gerd Citrich als Verantwortlicher für die Kampagne dem Seminar vorstellte. Die Lösung – Sonnenschutz und Vorsorgeuntersuchungen – müssen kommuniziert werden. Eventuell Betroffene und Gefährdete, also vor allem ältere Kolleginnen und Kollegen, müssen über ihre Rechte und Ansprüche rasch aufgeklärt werden. Vordrucke und Beratung durch die IG BAU können helfen, bürokratische Hürden zu überwinden.

Diesen Sommer tragen wir das Thema als bundesweite Kampagne nach draußen. Mit „Sonnometer“, Sicherheitshemd, UV-Schutzcreme und viel Wissen bewaffnet setzen wir nun vor Ort bei den Kolleginnen und Kollegen um, was mit einer gemeinsamen Initiative von Medizin und Gewerkschaft startete.

Otto Blome informiert.

Dr. Claas Ulrich von der Berliner Charité.