IG BAU - die tun was!


Mutmacher: Betriebsrat trotz vieler Widerstände


© IG BAU
23.03.2012
Die Kombi Massiv Bauelemente GmbH (KMB) im sauerländischen Westheim, einem Ortsteil von Marsberg, ist auf den ersten Blick ein ordentliches, gut laufendes Unternehmen. „Wir können alles mit Beton“ wirbt die Firmen-Website. Hart wie Beton handelte deren Eigentümer, als die Mitarbeiter einen Betriebsrat wählten weil sie die Nase voll hatten von unzähligen Überstunden und niedrigem Lohn, weit unter Tarif.

Erste Besuche der IG BAU in den Pausenräumen brachten ans Licht, dass die Mitarbeiter der KMB deutlich unter Tarif bezahlt werden, sich Überstunden nur so häufen und der Zoll schon mehrfach im Betrieb war. Als die Gewerkschaftssekretäre der IG BAU erneut die Beschäftigten dort über ihre Rechte und Möglichkeiten informieren wollten, fing sie ein Leitender Angestellter der Firma ab, forderte sie auf, die Besuche zu unterlassen. Die Begründung: „Es gibt Menschen mit hohem IQ und Menschen mit niedrigem IQ - und die zweiten würde unten im Werk arbeiten.“

Übersetzt sollte das wohl heißen, die Kollegen im Werk verstünden die Informationen der IG BAU nicht. Die Kollegen hatten verstanden – und erschienen zahlreich zu einem Treffen außerhalb der Arbeitszeit. Bei diesem ersten Treffen machten sie deutlich: der Belegschaft reicht es – es muß sich etwas ändern. War bisher ein einziger Kollege der KMB Mitglied in der IG BAU, änderte sich das rasch. Das blieb der Geschäftsleitung nicht verborgen. Der Eigentümer der KMB reagierte prompt, verhängte Hausverbot für die Gewerkschaftssekretäre Bodo Matthey und Dominik Langosch. Und er klagte – erfolglos. Seine Klage wegen der Betriebsbegehung in den Pausenzeiten wurde zu Gunsten der IG BAU entschieden. Für die Geschäftsleitung Anlaß, in die Berufung zu gehen.

Während die Geschäftsleitung mit allen Mitteln versuchte, „die Gewerkschaft“ aus dem Haus zu bekommen, bereitete die IG BAU mit der Belegschaft die Betriebsratswahl vor. Inzwischen sind 70 Prozent der 113 Beschäftigten in der IG BAU organisiert. Das Ergebnis: ein Antrag auf Haustarifverhandlungen. Ein toller Erfolg wenn weiß, dass anfangs nur ein Kollege in der IG-BAU Mitglied war. Nach sorgfältiger Vorbereitung wurde die Betriebsratswahl eingeleitet und zuerst der für den ordnungsgemäßen Ablauf verantwortliche Wahlvorstand gewählt. In weiteren Treffen wurde die Betriebsratswahl vorbereitet. Auf der Wahlliste standen 25 Mitarbeiter, sieben wurden eindeutig und mit großem Abstand gewählt. Die hohe Wahlbeteiligung von über 70 Prozent zeigt: die Kollegen wollen ihren Betriebsrat. Kaum im Amt, mussten sich die sieben Betriebsräte auch schon mit heftiger Gegenwehr der Geschäftsleitung auseinandersetzen.

KMB-Eigentümer Jakobs reagierte mit sofortiger Anfechtung der Betriebsratswahl und verweigerte jedes Gespräch, sowohl mit dem neugewählten Betriebsrat wie auch mit der IG BAU. Statt dessen berichteten Kollegen aus dem Werk von aktiver Hetze gegen den Betriebsrat und Versuchen, die Belegschaft zu spalten. Wenn der Betriebsrat sich nicht auflöse, werde der ganze Betrieb „vor die Wand gefahren“, habe ein leitender Angestellter namens der Geschäftsführung in einer Belegschaftsversammlung angedroht.

Nicht nur die sieben gewählten Betriebsräte waren dem Eigentümer ein Dorn im Auge – auch der größte Teil der Kollegen, die sich zur Wahl gestellt hatten. Für sie gab es eine besondere „Überraschung“: der Lohn blieb aus. Das fehlende Geld und die Drohungen mit dem Verlust der Existenzgrundlage haben die Arbeitnehmer auf eine harte Probe gestellt. Für die IG BAU höchste Zeit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Lokale Zeitungen, Radio und sogar das Fernsehen berichteten nun fast täglich über das Treiben bei KMB. Interessiert an dem Wohl der Belegschaft haben sich sogar der Bürgermeister von Marsberg und ein Vertreter der evangelischen Kirche als Vermittler angeboten – ohne Erfolg.

Eine harte Bewährungsprobe für den neugewählten Betriebsrat in dem Werk für Betonfertigteile. Er mußte erfahren, dass auch einige Kollegen im Betrieb gegen ihn sind. Doch die Kollegen bewiesen Stärke und Mut, waren mindestens genau so widerstandsfähig gegen Druck wie ihre Betonbauteile. Mehrmals trafen sie sich nach Feierabend mit Vertretern ihrer IG BAU, besprachen die nächsten Schritte, machten sich Mut.

In einem ersten Gespräch fungierte Herr Krenz, Geschäftsführer der KMB, als Vermittler zwischen Eigentümer und Belegschaft. Eine erste positive Wendung gab es, danach: die ausstehenden Löhne wurden gezahlt. In einem weiteren Gespräch mit dem Geschäftsführer hat der Betriebsrat seine Vorschläge zur Optimierung der Arbeitszeiten vorgestellt und ihn nach der Zukunft von KMB und Belegschaft befragt: „Die Zukunft von KMB ist, so wie ich das beurteilen kann, sicher“ so seine Antwort.

Der Geschäftsführer will Ruhe im Betrieb, mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten, um Lieferanten und Kunden nicht weiterhin zu beunruhigen: „Wir haben Pläne und dafür brauchen wir die Mitarbeit der Arbeitnehmer“ betonte Krenz. Bleibt zu hoffen, dass ihm der Eigentümer dafür die notwendige Handlungsfreiheit einräumt.

„Hier zeigt sich, was möglich ist, wenn eine Belegschaft sich über ihre Rechte informiert und solidarisch zusammensteht.,“ fassen die Gewerkschaftssekretäre ihre Erfahrungen zusammen. Sie sind stolz auf die Kollegen, die gemeinsam mit ihnen schon so viele Widerstände überwunden haben.

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