Arbeitssicherheit / Gesundheitsschutz


Sicherheit geht vor

Licht am Ende des Tunnels: Im Steinbühltunnel gehen die Arbeiten zügig voran.
Licht am Ende des Tunnels: Im Steinbühltunnel gehen die Arbeiten zügig voran. © IG BAU
05.08.2016
„Hier versteht wirklich jeder, warum es Tiefbau heißt“, sagte Robert Feiger. Auf Einladung der Porr GmbH besuchte der IG BAU-Bundesvorsitzende die Kolleginnen und Kollegen auf der Tunnel-Baustelle Albaufstieg.

Boßlertunnel und Steinbühltunnel werden dort von der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Albaufstieg (ATA), der die Porr GmbH angehört, im Auftrag der Deutschen Bahn auf der Strecke Stuttgart - Ulm gebaut. "Einen Tunnel entstehen zu sehen, ist außerordentlich spannend. Wenn später der Zug mit 250 km/h durchsaust, nimmt wohl kaum ein Reisender die enormen Ausmaße wahr. Aber wer heute in diesen riesigen Röhren steht, der ist beeindruckt von der Leistung der beteiligten Fachkräfte", sagte Feiger.

Die Großbaustelle mit rund 400 Bauarbeitern hat zudem noch eine Besonderheit: Beide Tunnel werden in unterschiedlichen Verfahren gebaut. Während der Steinbühltunnel mit dem konventionellen Spritzbetonverfahren gebaut wird, kommt im Boßlertunnel eine Tunnelvortriebsmaschine zum Einsatz. "Allein um das Schneidrad vor Ort zusammenzubauen brauchten die Schweißer vier Wochen und eine Tonne Schweißmaterial", berichtet der ATA-Projektleiter Reinhard Zenz. Mit bis zu 34 Metern pro Tag im 24 Stunden-Betrieb frisst sich die 115 Meter lange Maschine durch den Berg. Der Ausbau mit Betonsegmenten den sog. Tübbingen der Röhre entsteht in einem unmittelbar anschließenden Arbeitsschritt. Noch fehlen rund 1400 Meter bis zum sprichwörtlichen Licht am Ende des Tunnels.

Dagegen ist der Durchschlag im Steinbühltunnel bereits geschafft. Der Ausbau erfolgt jetzt Abschnittsweise im Anschluss. Auf hohen Gerüsten, unter denen problemlos Kleintransporter durchfahren können, bringen die Experten zunächst Folien gegen Wassereinbruch an und gießen im nächsten Schritt den Beton, der mit einer hydraulisch betriebenen Verschalungsvorrichtung angepresst wird. Das Ende der Rohbauarbeiten ist für Mitte 2017 festgelegt. Der Durchschlag in der ersten Röhre im Boßlertunnel ist für Ende dieses Jahres vorgesehen. Dann wird gefeiert. "Nach Jahren der Bauarbeiten im Berg wieder ans Licht zu kommen, ist jedes Mal ein erhebendes Gefühl", berichtete Zenz.

Robert Feiger bei der Begehung des Steinbühltunnels.

Robert Feiger bei der Begehung des Steinbühltunnels.

Die Tunnelvortriebsmaschine frisst den Boßlertunnel in den Berg.

Die Tunnelvortriebsmaschine frisst den Boßlertunnel in den Berg.

Betriebsrat Bernd Sollmann (li.) und der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger

Betriebsrat Bernd Sollmann (li.) und der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger

Damit es wirklich eine freudige Feier wird, ist zuvor Vor- und Umsicht wichtig. Die Arbeiten im Tunnel sind gefährlich. "Vertrauen und Verlässlichkeit im Team sind Voraussetzung, um solch ein Projekt zu stemmen", sagt Bernd Sollmann, Vorsitzender des Porr-Konzernbetriebsrats. Unfallursachen, wie Fahrten im Tunnel, werden möglichst ausgeräumt. Aus dem Grund wurde beispielsweise das Abbaumaterial im Steinbühltunnel mit einem Förderband abtransportiert, anstatt es mit LKW herauszufahren. An vielen prominenten Stellen stehen Hinweisschilder, wie viele Tage kein Unfall passiert ist. Die Bestmarke beträgt 61 Tage. "Der Ehrgeiz aller ist es, diese Marke zu knacken", sagte Sollmann. "Dennoch absolviert die Rettungswehr regelmäßig Übungen. Denn Sicherheit geht vor!"