Tarife


Gerüstbau-Handwerk: Tarifverhandlungen ergebnislos vertagt

04.10.2017
Die zweite Tarifverhandlung über die Lohn und die Ausbildungsvergütungen für die 30 000 Beschäftigten im Gerüstbau- Handwerk wurde am 27. September ergebnislos vertagt.

Die Arbeitergeber wollen auch nach zwei Verhandlungsrunden keine Lohnerhöhung für ihre Beschäftigten zahlen. Vielmehr verfestigt sich ihre Ansicht, dass der letzte Lohntarifabschluss vom 04. Juli 2015 (Laufzeit 24 Monate) die Betriebe nicht verkraftet hätten. Unsere Argumentation zu den positiven Umsatzsteigerungen im Industrie- und Fassadengerüstbau konnten sie nicht widerlegen. Sie behaupten weiterhin, dass sie durch Umsatzsteigerungen im Industriegerüstbau keine Preissteigerungen erwirken konnten. Lediglich im Fassadengerüstbau wäre es nach langen Jahren gelungen, jedoch bei einer niedrigen Absprunghöhe.
 
Wir wissen aus den Betrieben, dass die Auftragsbücher flächendeckend in der Bundesrepublik Deutschland bereits für das Jahr 2018 gefüllt sind und wie in allen anderen Branchen Fachkräftemangel im Gerüstbauhandwerk vorherrscht. Preissteigerungen konnten durchgesetzt werden und die Umsatzrenditen sind durch Produktivitätssteigerungen bis zu 4 Prozent gestiegen. Der wachsende Bauboom kommt vollumfänglich der Branche und zieht Preissteigerungen bei den Quadratmeterzahlen im Gerüst seit 2015 nach sich.
 
Das sind gute Gründe unsere Forderung aufrecht zu erhalten:

  1. Der Ecklohn im Gerüstbauhandwerk von derzeit 15,80 Euro muss um einen Euro auf 16,80 Euro steigen.
  2. Einen zweiten Mindestlohn für Facharbeiter im Gerüstbau von mindestens 14,70 Euro (für tarifungebundene und Entsendebetriebe) muss eingeführt werden.
  3. Der Mindestlohn 1 muss sich erhöhen.

Die Arbeitgeber lassen sich nicht dazu bewegen, ein Lohnangebot zu unterbreiten. Mit Nachdruck wollen sie mit uns eine Nullrunde in den Löhnen für tarifgebundene Unternehmen vereinbaren. Die gleiche Blockadehaltung zeigen sie bei der Einführung eines zweiten Mindestlohnes für die Branche. Diesbezüglich schreien sie nach dem Staat und fordern bessere Kontrollen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Sie sind nicht bereit mit uns Lösungswege für bessere Kontrollen zu finden und lehnen ausgeweitete Kontrollen und stärkeren Personaleinsatz in der Sozialkasse Gerüstbau ab.

Zur besseren Gestaltung und Regelungen eines besseren Wettbewerbs in der Branche haben sie in zwei Verhandlungsrunden bisher keine Vorstellungen. Sie beklagen sich jedoch über zunehmende Konkurrenz aus Osteuropa. Das ist Jammern auf hohem Niveau!
 
Das Klagen endet schließlich darin, dass die Arbeitsschutzbestimmungen durch die gesetzlichen Auflagen massiv zugenommen haben und die Betriebe zukünftig durch neue technische Lösungen bei der Absturzsicherung in neue Gerüste investieren müssen. Einigkeit konnte man darüber erzielen, dass natürlich der Arbeitsschutz für die Kollegen höchste Priorität hat.
 
Am Ende der Verhandlung haben die Arbeitgeber ein aus ihrer Sicht attraktives Angebot für die Branche und künftige Fachkräfte vorgelegt:

  1. Es gibt keine Einführung des Mindestlohnes 2 für Facharbeit in der Branche mit Wirkung auf nicht tarifgebundene- und Entsendebetriebe.
  2. Der Mindestlohn 1 soll in zwei Stufen für eine Laufzeit für zwei Jahre steigen:
     Ab 01.05.2018 bis 30.04.2019 um 0,20 Euro auf 11,20 Euro.
     Ab 01.05.2019 bis 30.04.2021 um 0,25 Euro auf 11,45 Euro.
  3. Pro Ausbildungsjahr sollen die jeweiligen Ausbildungsvergütungen um 25,00 € steigen.
  4. Keine Lohnerhöhungen für die Beschäftigten der Branche. Über die Dauer der Nullrunde haben sie noch keine Auskunft gegeben.

Das Angebot der Arbeitgeber ist respektlos gegenüber allen Beschäftigten des Gerüstbauhandwerks und unserer Ansicht nach eine klare Kampfansage. Die Verhandlungen wurden daraufhin ergebnislos vertagt. Auf einen neuen Verhandlungstermin konnte man sich bislang noch nicht verständigen.

Wir haben uns ausführlich mit unserem Bundesfachgruppenvorstand am 29. und 30. September über die weitere Vorgehensweise zu den Tarifverhandlungen beraten. Wir sind übereingekommen, dass wir jetzt unsere Mitglieder, Aktive, Beschäftigte in Gerüstbaubetrieben und Betriebsräte über den Kamikaze-Kurs der Arbeitgeber informieren müssen. Darüber hinaus wollen wir für betriebliche und überbetriebliche Druckaktionen werben. Die Betriebsräte werden in den nächsten Tagen intensiv auf ihre Arbeitgeber einwirken und sich auf einen drohenden Arbeitskampf vorbereiten. Ein Flugblatt zur Tarifrunde soll auf Grundlage dieser Bau-Intern bis zum 06. Oktober zur Verfügung gestellt werden.